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Elisabeth Sonneck (D)

Neben der Hausordnung - In Farbe (#8)

Die Berliner Künstlerin Elisabeth Sonneck zeigt in der Ausstellung « Neben der Hausordnung – In Farbe (#8) » Arbeiten auf Papier, die während ihres Aufenthaltes im Diois entstanden sind. Ihrer abstrakten Malerei stellt Sonneck vor Ort gefundene Objekte gegenüber, welche die Bilder in Balance halten, sie stützen...

Elisabeth Sonneck ist eine abstrakte Malerin und geradezu besessen von Farbe und Licht. Ihre Malmittel sind ein 12 cm breiter Pinsel, Ölfarbe oder Gouache und die Geste. In Leserichtung von links nach rechts streicht die Malerin geduldig, in repetitiver Manier bis zu 10, 15 Farbschichten übereinander, mit Öl sogar bis zu 60. Die Farbe wird nicht deckend aufgetragen, sondern lässt jeweils die unterliegenden transparenten Ebenen durchscheinen, vibrieren, sich zu einem neuen Farbwert addieren. Dadurch, dass die Künstlerin ihren Strich vor dem Blattende abreißen lässt, bleiben die einzelnen Farbschichten und ihr jeweiliger Farbton an den Schlagstellen identifizierbar. Der Malprozess und die ihm inhärente Zeitlichkeit sind abzulesen und bilden einen essentiellen Teil der Arbeit. 

Sonnecks Malerei ist dominiert von der Geste und der ewigen Neuschöpfung von Farbtönen. Dabei unterscheidet sie sich von der gestischen Abstraktion eines Abstract Expressionism oder Informel, da ihre Geste nicht expressiv ist, sondern kontrolliert-konzeptuell. Wie die amerikanische Malerin Agnes Martin verbindet Sonneck Farbfeldmalerei mit geometrischer Abstraktion und folgt dabei klaren Regeln. Meist verlaufen die rhythmisierten Farbbahnen in der finalen Arbeit vertikal, seltener horizontal. Auch die Bildgröße variiert kaum, da die Künstlerin ihr Bildformat ihrer Armspanne und der Pinselbreite anpasst.

Ihre präzise und ruhige Malerei präsentiert Sonneck stets in enger Bezugnahme zum jeweiligen Ausstellungsraum. An einem Nagel hat sie ihre Arbeit schon lange nicht mehr aufgehängt. Stattdessen bemalt sie Wände und lässt so Malerei in den Raum übergehen, oder sie inszeniert ihre Bilder als skulpturale Objekte.  

Seit einigen Jahren benutzt die Berlinerin hierfür Fundstücke, oft aus dem Kontext des jeweiligen Präsentationsortes, und lässt diese banalen Alltagselemente mit ihren präzisen Farbüberlagerungen kollidieren. So wird die Malerei von Putzutensilien, Schnüren oder aber einem Weinfass in Balance gehalten. Oder sie rollt sich wieder ein, ganz nach dem Wunsch der langen, ursprünglich aufgerollten Papierbahnen, die Sonneck häufig auch über die gesamten 10 Meter bemalt. Das Material hat eine Art Mitspracherecht; wenn ein Blatt abhängen möchte und dabei ein anders teilweise verdeckt – bitte sehr. Schließlich kann die Künstlerin nie alles zeigen. 

Durch die Juxaposition mit nach Farbe und Material ausgesuchten Fundstücken verliert die abstrakte Malerei ihre Strenge und gewinnt eine ordentliche Portion Humor. Die Balanceakte erinnern teilweise an Arbeiten des Schweizerischen Künstlerduos Fischi und Weiss, die Mitte der 1980er Jahre eine Serie von Balance-Bauten aus Alltagsmaterialien schufen. Bei Sonneck wird nun die Malerei von einem Quasi-Krückstock (Besen, Schaufel etc) gestützt – etwa weil die Malerei am Krückstock geht?  

Eigentlich ist die Malerei ja schon seit Marcel Duchamp vorbei, oder auch nicht. cb