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ANna Tautfest (D)

& Krickel Biedermann-Tautfest (D)

In ihrer Residenz arbeitet eine Tochter mit dem künstlerischen Nachlass ihrer Mutter und sucht nach visuellen, räumlichen und emotionalen Verbindungen. Zu sehen sind Malerei von Krickel Biedermann-Tautfest und installative Objekte von ANna Tautfest...

Ausstellungsansicht ANna Tautfest
Foto: Ivonne Thein

Über das Projekt

Christine Biedermann-Tautfest (1944–2021), die für sich den Namen Krickel wählt, beginnt in den 1990er-Jahren, mit über 50 Jahren, ein Zweitstudium an der Münchner Kunstakademie. Die zweifache Mutter – 1979 wird die Tochter ANna geboren, sechs Jahre später folgt eine zweite Tochter – lässt sich nicht einschüchtern von der Herausforderung, Studium und Familie zu vereinbaren. Im Umkreis von Prof. Rudolf Seitz, dem Begründer der Schule der Phantasie, erarbeitet sie progressive Bildungsangebote für Kinder. Ihr eigentlicher Wunsch ist es, als bildende Künstlerin zu wirken, wenngleich sich Mutterschaft und eine Karriere als Künstlerin in der Regel ausschließen. Krickel sieht das nicht so. Mit Gleichgesinnten ist sie in einem Malerinnenkreis aktiv. Zu Lebzeiten setzt sich Krickel unermüdlich dafür ein, künstlerisches Schaffen und Familie miteinander zu verbinden.

ANna Tautfest, mittlerweile selbst Mutter zweier Töchter, arbeitet während ihrer Residenz mit dem künstlerischen Nachlass und Vermächtnis ihrer Mutter. In der Ausstellung zu sehen sind Malereien von Krickel sowie installative Objekte von ANna Tautfest. Das Ineinanderaufgehen der beiden Biografien erzählt viel über die jeweiligen Möglichkeiten für Frauen, Kunst und Karriere zu leben. Es wird deutlich, inwieweit die politischen Rahmenbedingungen sowie das kulturpolitische Klima einer Zeit über das Fortkommen und die Sichtbarkeit von Künstlerinnen mit Kindern bis heute entscheiden. Schmerzhaft bewusst wird dabei, dass die unbezahlte Care-Arbeit von Großmüttern, Müttern und anderen Frauen oft auf Kosten ihrer eigenen Selbstverwirklichung geht und zu einem finanziellen Risiko werden kann.

Text: Meta Marina Beeck, Kuratorin-Komplizin der Residenz


Rahmenprogramm

Vernissage am Sonntag, den 30. November, 14-18h mit 
14.30 Uhr – Familien-Workshop 'Mutter und Tochter collagieren' mit Niina Lehtonen Braun
16.30 Uhr – Lesung von Kyung-hwa Choi-ahoi

Gesprächsabend am Dienstag, den 16.12.25, um 17 Uhr
Die Künstlerin Christine Biedermann-Tautfest ist ihrer künstlerischen Arbeit in Malerinnentreffen und anderen kollektiven Situationen nachgegangen. Die Frauen bestärkten sich gegenseitig, Kinder und Familie waren hier kein Hindernis für künstlerische Arbeit, Ateliers wurden geteilt. Nicht so in der Außenwelt, Anerkennung war rar für (Raben-)Mütter. In der Ausstellung zeigt die Tochter den Nachlass der Mutter und sucht nach visuellen, räumlichen und emotionalen Verbindungen. Zu sehen sind Malereien von Biedermann-Tautfest und installative Objekte von ANna Tautfest.

Im Rahmen der Ausstellung „ANna Tautfest – Krickel Biedermann-Tautfest“ sprechen wir über verschiedene Mutter-Rollen im künstlerischen Kontext, im Sinne einer Sorge tragenden Rolle: Mütter von Kindern, Töchter von Künstlerinnen, Doktormütter. 

Es tauschen sich aus: Conny Becker (DIEresidenz), Meta Marina Beeck (Kuratorin), Hanne Loreck (Professorin) und ANna Tautfest (Künstlerin).

Weihnachtsfeier von Saloon Berlin am Mittwoch, den 17.12.2025, ab 16 Uhr für Saloonmitglieder und ihre Begleitung